Definition
Quantifizierte Grenzen des Wissens über Erdbebenparameter, Beobachtungsfehler, Modellstrukturen und prognostizierte Ergebnisse; umfasst sowohl aleatorische Variabilität (natürliche Zufälligkeit) als auch epistemische Unsicherheit (Wissenslücken oder Modellunzulänglichkeit), die Interpretationen und Entscheidungen beeinflussen.
Prinzip
Prinzip
Explizite Identifikation von Unsicherheitsquellen, Darstellung mittels geeigneter statistischer oder szenariobasierter Techniken, Propagierung von Unsicherheiten durch Analysen und Kommunikation ihrer Auswirkungen auf Ergebnisse, damit Entscheidungsträger Risiken und Vertrauensbereiche berücksichtigen können.
Demonstration
Demonstration
Lokalisationsunsicherheit ausgedrückt als Konfidenzellipsen um Hypozentren, Standardfehler von Magnituden, Prognoseintervalle für Bodenbewegungsschätzungen aus Bodenbewegungsmodellen und Ensembles von Modellläufen, die alternative Quellengeometrien und Wellenausbreitungsphysiken abtasten.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Das Ignorieren oder Unterschätzen von Unsicherheit durch Verwendung einzelner Best‑Estimates ohne Fehlergrenzen oder das Verwechseln aleatorischer Variabilität mit reduzierbarer epistemischer Unsicherheit, was zu Fehlallokation von Mitteln für Minderungsmaßnahmen führt.
Konsequenz
Konsequenz
Eine korrekte Darstellung von Unsicherheit führt zu risikobewusster Planung, angemessenen Sicherheitsfaktoren im Ingenieurwesen, gezielter Datenerhebung zur Reduktion wichtiger epistemischer Unsicherheiten und besserer Kommunikation von Vertrauensgraden an Stakeholder.
Umkehrung
Umkehrung
Das Annehmen von Determinismus — Parameter und Modelloutputs als exakt behandeln — führt zu übermäßig selbstsicheren Entscheidungen, die plausible ungünstige Ausgänge nicht berücksichtigen.
Abgrenzung
Abgrenzung
Bezieht sich auf Messrauschen, Parameterschätzung, Wahl der Modellstruktur und Szenarioauswahl in der seismischen Wissenschaft; gibt selbst keine politischen Vorgaben vor, informiert diese jedoch durch probabilistische oder begrenzte Ergebnisse.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen Unsicherheit als explizitem quantitativen Merkmal und dem umgangssprachlichen Gebrauch des Begriffs, um Unkenntnis oder Meinungsverschiedenheit zu bezeichnen; Praktiker müssen statistische Unsicherheit vom subjektiven Zweifel unterscheiden.
Synthese
Synthese
Erdbebenunsicherheit ist die strukturierte, quantifizierte Darstellung von Grenzen in Messungen, Modellen und Szenarien — Trennung von aleatorischen und epistemischen Komponenten, deren Propagierung in Analysen und Darstellung der Auswirkungen für Risiko und Entscheidungen.